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How to Write - Check List

Page history last edited by Alexandra Bröckl 11 years, 1 month ago

Besser schreiben / Checkliste

 

Sammlung der Notizen aus dem Schreibworkshop.

Zum kollektiven Weiterschreiben auch hier:

http://PiratePad.net/HowToWrite

 

Jede hier formulierte "Regeln" hat Ausnahmen. Aber man sollte nur dann abweichen, wenn man wirklich weiß warum.
Was man damit erreichen will. Was man damit in Kauf nimmt.

Idealerweise sollte man sich von Beginn an so klar über den Artikel sein, dass man dessen Inhalt in einem Satz beschreiben kann.

Wodurch ist der Text es wert gschrieben und gelesen zu werden, unabhängig vom Thema und nur auf den Text bezogen?


Titel/Überschrift:
Kurz und griffig, "holzschnittig" formulieren, sollte sich eignen zum leichten Im-Kopf-Behalten, zum Retweeten usw.
Untertitel:
- Ergänzung zum Titel, Gegenstück, liefert wichtigste Informationen bzw. Differenzierung nach. Wenn der Titel/Überschrift besonders grob ist, sollte das hier ein wenig ausgeglichen werden.
- Bei Online-Texten kann der Untertitel bereits aus zwei Sätzen bestehen und selbst schon eine sehr kurze Zusammenfassung sein, damit LeserInnen gleich wissen, ob sie auf "Weiterlesen" klicken wollen oder nicht.

--> Beispiele (Links) für gute Titel/Untertitel suchen 

Der Erste Satz / Absatz:
- Entscheidet beim Lesen darüber, ob der/die LeserIn sich auf den Text einlässt.
- Noch wichtiger ist es fast noch, beim Schreiben den richtigen Einstieg zu erwischen: Der erste Absatz steckt quasi einen Möglichkeitsraum für den weiteren Text ab. Wie man in den Text hineinfindet, ob der Text Schwung/Drive entwickelt, welche Haltung der Text zum Gegenstand einnimmt. Ein falscher Einstieg oder ein fader Einstieg erzeugt eine Art Tunnel, der gutes Schreiben verhindert.
- Der erste Absatz muss dem/der SchreiberIn Spaß machen.
- Wenn der Einstieg für den/die SchreiberIn beim Schreiben funktioniert, ist die Chance groß, dass das auch für den/die LeserIn gilt.
- Mitten hinein springen. Nicht vorsichtig sich herantasten. Eine prägnantes Bild, eine Beobachtung Beobachtung, ein schlagendes/überraschendes Zitat, ein schlagender/überraschender Fakt, eine schlagende/überraschende Metapher, eine Behauptung ...
- Der ganze erste Absatz sollte Erklärungsbedarf erzeugen: Wie eine Vorlage, die dann im 2. und 3. Absatz verwertet wird. Jetzt werden Details, Informationen und/oder Differenzierungen nachgereicht.

--> Beispiele (Links) für  gute erste Absätze suchen

Die kleinste kompakte Einheit, aus der Texte bestehen, ist der Absatz.

    * Nicht Sätze schreiben, sondern Absätze. (Ein guter Satz kann natürlich den ganzen Absatz retten: Er schafft Spielraum für zwei unauffälligere Sätze, die den jeweiligen Punkt, um den es geht, ausführen.)
    * Ein Absatz hat ca. drei - vier Sätze.
    * Ein Absatz ist ein Stück Text, das quasi in einem Atem gelesen wird. Ein Spannungsbogen. Nach jedem Absatz entsteht so etwas wie eine Atempause. Man kann den Rhythmus und den Schwung der Absätze hören, wenn man sie laut liest. Auch reine Schrifttexte sind "Rede". Alles, was den Fluss dieser Rede bricht, ist schlecht.
    * In jedem Absatz sollte irgendetwas Besonderes stecken: Das kann inhaltlich sein, gedanklich oder sprachlich. Eine prägnante Aussage, ein interessantes Detail, ein Fakt, es kann aber auch ein sprachliches Bild, eine witzige Wendung sein ...
    * Bei jedem Absatz sich fragen: Ist hier etwas Besonderes drin? Wenn nicht: Einklammern. Versuchsweise weglassen. Fehlt dann dem Text etwas? Wenn ja: was?
    * Es gibt natürlich Absätze, die pure Information liefern. Dann so klar, reduziert und direkt wie möglich schreiben. Die Fakten und nichts als die Fakten. Und nur das was *unbedingt* nötig ist.


3x3-Faustregel: 3 Sätze, 3 Absätze, 3 Abschnitte

    * Ein längerer Text, der sich immer noch in einem Zug durchlesen lässt, besteht aus (etwa) 3 Abschnitten.
    * (Längere Texte sind Essays: Ausnahmen, die die Regel bestätigen, und sehr viel Eigenmotivation der LeserInnen fordern.)
    * Jeder Abschnitt (außer dem ersten) sollte eine eigene Zwischenüberschrift bekommen.
    * Jeder Abschnitt besteht aus  (etwa) 3 Absätzen.
    * (Ein selbständiger Kurztext entspricht ungefähr einem dieser Abschnitte.)
    * Jeder Absatz besteht aus (etwa) 3 - 4 Sätzen mittlerer Länge.
    * (Eine "Meldung", Kurzrezensiuon usw. entspricht ungefähr einem dieser Absätze)
    * Aufzählungen, die in den Textfluss eingebunden sind, sollten möglichst nicht mehr als drei Glieder enthalten.


Zwischenüberschriften von Text-Abschnitten

    * Kann man sehr verschieden einsetzen. Sie können, müssen aber nicht sagen, was jetzt inhaltlich kommt. Sie können aber auch rätselhaft, schräg, spielerisch usw. sein. Es ist auch möglich ein kurzes (!) Zitat aus dem nachfolgenden Text zu verwenden oder eine Frage.
    * Kurz und trocken. Ein Wort, eine Wendung. Nie länger als eine Zeile (im jeweiligen Textlayout, d.h. im Druck oder auf der Webseite)

Textbild: Layout / Form des Textes (Sache der Redaktion, nur bei Blogs der Autoren)

    * hilft den LeserInnen, das Textbild in einem Blick zu erfassen, sich zu orientieren, ein Gefühl für den ganzen Text zu bekommen,  zu entscheiden ob man das jetzt gleich, später, gar nicht lesen will.
    * Mini-Zitate aus dem Text kann man auskoppeln und größer bzw. in anderer Schrift ins Textbild einmontieren
    * Zwischenüberschriften für die Absätze klar absetzen (wichtig für Orientierung auf einen Blick)
    * Das Layout sollte möglichst minimal, klar, reduziert sein. Verspielte grafische Elemente behindern die Lesbarkeit.

Gegensätze, Widersprüchlichkeiten, Kontraste
... machen den Text lebendig. Erzeugen Erklärungsbedarf, einen Sog, der den Text vorwärtstreibt. Für die LeserInnen genauso wie für den/die SchreiberIn. 

Klare Gedanken führen zu klarer Sprache, und umgekehrt
- "Schreiben ist Denken"
- Wenn man sich dabei ertappt, schlecht und unklar zu schreiben, liegt das oft daran, dass der Inhalt nicht klar genug ist. Dann ist oft der Wechsel zu Stift & Papier nützlich.
- Aber auch umgekehrt: Gute sprachliche Lösungen können auch gedankliche Klarheit erzeugen. Oft erfahre ich das, was sich eigentlich sagen will, beim Schreiben und durch das Schreiben.
(Siehe auch den berühmten Text von Kleist: Verfertigung der Gedanken beim Reden, den man in Teilen auch auf das Schreiben übertragen kann, http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=1467&kapitel=1 )
- Wenn man sich dabei ertappt, schlecht und unklar zu schreiben, kann das auch schlicht daran liegen, dass man den sprachlichen Schwung verloren hat. Dass man müde ist. Auch hier ist  Unterbrechung gut. (Gute andere Texte lesen hilft oft.)

Plain Deutsch

- Kurze Sätze sind besser als längere Sätze.
- Weniger Silben sind besser als mehr Silben.
- Einfache Worte aus der Alltagssprache sind besser als "schriftsprachlicher" Jargon - Auch geschriebene Sprache muss klingen.

    * keine Schachtelsätze. Oft Punkte setzen.
    * keine Substantivierungen. Immer durch aktive Verben ersetzen: 'Die Weiterentwicklung ist ...' >> 'Etwas entwickelt sich irgendwohin', usw. Das macht den Text im Wortsinn lebendiger.
    * passive Verben in aktive verwandeln ("wird gesagt" >> "X sagt Y")
    * Adjektive versuchsweise streichen, überlegen, ob wirklich etwas fehlt. 3 von 4 Adjektiven sind gedankenlos gesetzt und überflüssig.
    * keine Füllwörter, Relativierungs-Phrasen ("möglicherweise, jedoch, vielleicht", etc.)
    * Redewendungen & Phrasen streichen und ersetzen.
    * Faustregel: "Könnte ich diese Formulierung auch mündlich verwenden, oder würde das dann in meinen eigenen Ohren komisch klingen?" Wenn ich es mündlich nicht verwenden könnte: streichen!

Fragen treiben den Text vorwärts
    * Fragen als Ausgangspunkt für Absätze und Abschnitte nehmen, auch gut als Zwischenüberschriften verwendbar
    * echte Selbstgesprächs-Fragen (immer vorzuziehen) oder ironische bzw. rhetorische Pseudo-Fragen (sehr vorsichtig einsetzen)


Texte, die von etwas Konkretem ausgehen
... da besteht die Aufgabe beim Schreiben darin, ein Themenfeld dazu zu ergänzen und zu erschließen.

Texte, die von einem abstrakten Themenfeld ausgehen
... müssen konkret gemacht werden. Menschen sind konkret (kurze Skizze, O-Ton ...). Reale bildkräftige Vorkommnisse sind konkret.
- O-Töne und Zitate sind immer gut. Müssen aber evtl. komprimiert, gekürzt, zusammengefasst werden, damit sie in den Textfluss passen.
- Lieber direkt einmontieren als indirekt wiedergeben.

Zwischen Konkretem und Abstrakten hin- und herbewegen
Auf konkrete Absätze eher reflektierende Absätze, und umgekehrt.
Eine dynamische Balance herstellen.

Sprechweisen, Jargons

- Sorgfältig darauf achten, dass sich die Sprechweise des Textes von Sprechweisen unterscheidet, die Gegenstand des Textes sind
- Wenn man über Marketing schreibt, aufpassen, dass man nicht ins Marketing-Chinesisch verfällt
- wenn man über Bürokratisches schreibt ...
- wenn man über Politiker schreibt ...
- wenn man über Subkulturen, Kunstszenen usw. schreibt, aufpassen, dass man nicht selbst diesen Jargon aufnimmt und bloß verdoppelt
- Die Unterscheidung der Sprechweisen, Jargons bewusst  einsetzen - das kann wieder den text spannungsvoller machen und antreiben

Der Schluss
- Einen guten Schluss finden ist schwer
- typischer Trick: Etwas im ersten Absatz wieder aufnehmen
- Oft gut: aber ein trockenes Zitat
- Gut: Einen kleinen Widerhaken setzen, etwas offen lassen.
- nicht einfach irgendwie aufhören, nicht im Ungefähren versanden lassen
- oder mit einem Fazit zu dem Thema den Text beschließen

Ich-Position
- was ist die Position des Textes gegenüber dem Objekt/Thema?
- dezente Ich-Position! Besserwisserische und überlegen-ironische Drübersteher-Positionen  eher vermeiden
- sich nicht zu hoch über dem Thema positionieren
- nichts vortäuschen! die WohlFühl-Ebene finden, von der aus man wirklich sprechen/schreiben kann
- Wenn man die Souveränität nicht hat: das kann man im Text thematisieren und einbauen. Das erhöht eher die Zugänglichkeit für die LeserInnen



----------------- Maximen und Bruchstücke ------------------------

"Man muss sich selbst bekämpfen." (Martin Lindner)

 

"Schreiben ist ganz leicht. Man muss nur einfach die falschen Worte weglassen" - Mark Twain

Im Schwung bleiben, meistens trägt ein Satz den nächsten wenn ein gewisser Drive im Spiel ist!

 

Wenn ich ins Stocken komme:

  • Perspektive wechseln
  • Grundfrage erneut formulieren: Worum geht es eigentlich in dem Text?
  • das Tool wechseln - vom TextEditor (z.B. Darkroom) zum Papier oä  - prinzipiell empfiehlt es sich immer das einfachste Tool zu verwenden
  • die Position verändern - aufstehen, an einen anderen Tisch setzen 

 

Comments (4)

martin fritz said

at 10:56 am on Jun 1, 2010

dann auch hier noch die Frage, dreifach hält besser: Gibt es Fotos der Flipchart-Mitschriften? Könnte mir die wer schicken/ online stellen (Ich würde sie dann abtippen und zur weiteren Crowd-Bearbeitung hier bzw. ins Pad reinstellen)

martin fritz said

at 10:59 am on Jun 1, 2010

update: martin lindner hat fotos und wird sie demnächst zur verfügung stellen.

Alexandra Bröckl said

at 3:33 pm on Jun 1, 2010

hab die flipchartplakate aber leider bis jetzt noch keine zeit gehabt abzulichten. ich hoff ich schaffs bis morgen oder übermorgen. dann kann ich auch meine mitschrift raufstellen.

martin fritz said

at 9:36 pm on Jun 4, 2010

hier sind mal die flipchart-fotos von alex, transkript demnächst: http://www.ipernity.com/tag/69605/keyword/49361

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